Pferde sprechen nicht — aber ihre Hufe erzählen eine Menge. Wer regelmäßig hinschaut, erkennt früh, wenn etwas nicht stimmt. Das Problem: Viele Reiter wissen nicht, worauf sie achten müssen. Dieser Artikel zeigt dir die sieben häufigsten Warnsignale, die ich in meiner täglichen Arbeit als Barhufpfleger im Raum Kaiserslautern sehe — und was du tun kannst, wenn du eines davon an deinem Pferd erkennst.
1. Strahlfäule — der faulige Geruch täuscht nicht
Was es bedeutet: Strahlfäule ist eine bakterielle Infektion des Strahls — des weichen, gummiartigen Gewebes in der Hufmitte. Sie entsteht bei feuchten, hygienisch schlechten Haltungsbedingungen und zeigt sich durch schwarze, schmierige Masse mit fauligem Geruch in den Strahlspalten.
Was du tun solltest: Strahlfäule ist behandelbar, aber hartnäckig. Sie braucht konsequente Hygiene im Stall, tägliches Ausmisten und in vielen Fällen professionelle Behandlung beim Hufpflege-Termin. Ich reinige und schneide betroffene Bereiche frei und empfehle geeignete Pflegemittel. Im Rahmen von BHS Intensiv begleite ich Problemfälle engmaschig bis zur Ausheilung.
2. Hornspalten und Risse — wenn der Huf bricht
Was es bedeutet: Kleine oberflächliche Risse im Hufhorn können harmlos sein. Tiefe, vertikale Spalten — sogenannte Hornspalten — sind hingegen ernst zu nehmen. Sie entstehen durch schlechte Hufpflege, zu lange Intervalle, schlechte Ernährung oder genetisch bedingte Hornqualität.
Was du tun solltest: Hornspalten müssen beurteilt werden — ich schaue, ob sie die weiße Linie erreichen, ob Schmutz oder Bakterien eingedrungen sind und wie tief der Riss geht. Oberflächliche Risse können durch regelmäßiges Kürzen gestoppt werden. Tiefe Risse brauchen ein individuelles Behandlungskonzept. Wichtig: nie einfach zuwachsen lassen und hoffen.
3. Fühligkeit — wenn der Boden auf einmal zu hart ist
Was es bedeutet: Ein Pferd, das auf festem oder steinigem Untergrund zögert, kurz tritt oder deutlich vorsichtiger läuft als auf weichem Boden, ist fühlig. Das ist kein Verhaltensproblem — es ist ein Hinweis darauf, dass die Hufe empfindlich oder schmerzhaft sind. Mögliche Ursachen: zu dünne Sohle, Weißliniendefekte, beginnende Rehe oder zu weiches Horn.
Was du tun solltest: Fühligkeit sollte immer von einem Fachmann beurteilt werden. In manchen Fällen ist sie ein erstes Anzeichen für Hufrehe — einen medizinischen Notfall, der tierärztliche Abklärung erfordert. Schreib mir, wenn du dir unsicher bist.
4. Ungleichmäßiger Abrieb — ein Huf ist flacher als der andere
Was es bedeutet: Wenn ein Pferd einen Huf deutlich stärker abreibt als den anderen, oder wenn ein Huf innen stärker abläuft als außen, stimmt die Belastungsverteilung nicht. Das kann auf Fehlstellungen, Schonhaltungen durch Schmerzen anderswo im Körper oder Hufformprobleme hinweisen.
Was du tun solltest: Ungleichmäßiger Abrieb ist einer der Hinweise, die ich beim Termin immer dokumentiere. Er zeigt mir, wie das Pferd seinen Huf einsetzt — und ob wir durch die Bearbeitung gegensteuern müssen. Oft hilft hier ein enger Takt bei der Hufpflege, kombiniert mit einer Beurteilung durch den Tierarzt oder Osteopathen.
5. Das Pferd gibt die Hufe nicht — oder nur widerwillig
Was es bedeutet: Viele Pferdebesitzer denken, ihr Pferd sei „bockig" oder schlecht erzogen, wenn es die Hufe nicht geben will. Oft steckt dahinter aber Schmerz: Der Huf tut weh, wenn er angehoben wird, oder das Stehen auf drei Beinen ist schmerzhaft — zum Beispiel wegen Gelenkproblemen. Manchmal sind es auch schlechte Erfahrungen mit früherer, unsensibler Hufpflege.
Was du tun solltest: Kläre zuerst mit dem Tierarzt ab, ob ein orthopädisches Problem vorliegt. Wenn das ausgeschlossen ist, kann geduldiges Training helfen. Bei meinen Terminen nehme ich mir immer die Zeit, die ein Pferd braucht — ohne Stress, ohne Druck.
6. Häufiges Stolpern — wenn die Koordination nachlässt
Was es bedeutet: Ein Pferd, das häufig stolpert oder mit den Vorderhufen schlurft, hat möglicherweise zu lange Zehen. Der Huf kommt beim Abrollen zu spät vom Boden — das stört den gesamten Bewegungsablauf und belastet Sehnen und Gelenke. Auch neurologische Ursachen oder Schmerzen können dahinterstecken.
Was du tun solltest: Wenn dein Pferd regelmäßig stolpert, solltest du den Hufpflegeabstand verkürzen und gleichzeitig tierärztlichen Rat einholen. Das Problem verschwindet nicht von selbst — und kann sich zu einer ernsthaften Sehnenverletzung entwickeln, wenn zu lange gewartet wird.
7. Stellungsveränderungen am Huf — wenn die Form nicht mehr stimmt
Was es bedeutet: Wenn du merkst, dass ein Huf sich verändert — flacher wird, breiter läuft, sich die Wandwinkel verändern oder der Huf sich von oben nach unten verjüngt wie eine umgekehrte Pyramide (sog. Bockhuf) — dann ist das ein deutliches Warnsignal. Solche Veränderungen passieren schleichend und werden oft erst spät bemerkt.
Was du tun solltest: Mach regelmäßig Fotos deiner Pferdehufe von vorne, von der Seite und von unten. Das ermöglicht dir, Veränderungen über Zeit zu erkennen. Als Abo-Kunde von BHS Balance oder BHS Intensiv dokumentiere ich das für dich digital in der HufiApp — mit Fotos nach jedem Termin.
Fazit: Früh erkennen spart Kosten und schützt dein Pferd
Keines dieser Warnsignale solltest du ignorieren oder „erstmal abwarten". Hufe geben dir klare Hinweise — du musst nur wissen, worauf du achten musst. Und wenn du dir unsicher bist: Ruf mich an oder schreib mir. Ein kurzes Foto und eine Beschreibung reichen oft, um eine erste Einschätzung zu geben.
Mehr zum richtigen Umgang mit Hufpflege-Intervallen erfährst du in meinem Artikel Wie oft sollten Pferdehufe bearbeitet werden?